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Es lebe die Langeweile! Nicht.

Manchmal frage ich mich, warum ich mir das Leben ab und zu
schwerer mache als es eigentlich ist.
Gerade im Sommer habe ich das Gefühl, dass ich meine Zeit
nicht sinnvoll nutze. Ich bekomme wirklich panische Angst, wenn die Sonne
scheint, es warm ist und ich nix draußen mache. Wenn ich am Wochenende weder
die Wohnung aufräume (nicht, dass das zu meinen Lieblingsbeschäftigungen
gehören würde) oder auf irgendeine andere Art produktiv bin, sondern faul auf
dem Sofa rumliege und zwar den ganzen Tag.
Dabei macht mir sowas im Urlaub gar nichts aus: ich kann
sehr gut eine komplette Woche damit verbringen, mich vom Rücken auf den Bauch zu
drehen und mich maximal zum Eincremen zu bewegen.
Ohne Urlaub habe ich aber, und dafür halte ich mich selber
für ziemlich bescheuert, direkt ein schlechtes Gewissen, bekomme miese Laune
und finde mich schnell selbst richtig doof, wenn ich einfach nix tue. Wenn ich
denke, dass ich meine „kostbare“ Freizeit am Wochenende oder nach der Arbeit
einfach nicht nutze.
Viel zu oft überlege ich dann, was ich denn Schönes machen
könnte, ohne, dass ich es dann einfach auch mal genieße, mich auszuruhen und meinen
Reset-Knopf zu drücken. Die Energie für die nächste Woche zu sammeln und das
Leben einfach mal Leben sein zu lassen.
Seit vielen Jahren mache ich nun Yoga und versuche auch
sonst im Alltag meine Dinge, achtsam zu erledigen. Nicht alles auf einmal zu
tun, nicht alles auf einmal zu denken, durchzuatmen und sich nur auf eine Sache
zu konzentrieren.
Und trotzdem will es mir nie gut gelingen, das alles mal
ganz zu lassen. Die Langeweile einfach mal auszuhalten und die Gedanken wie Wolken
durchziehen zu lassen, ohne sie zu bewerten (so wie es mir meine Yogalehrerin
auch beigebracht hat).

Dann sehe ich wieder, das es einfach Momente in meinem
Leben gibt, in denen ich wieder völlig Kopfgesteuert durch den Tag gehe und
mich damit so schlimm selbst unter Druck setze, alles richtig zu machen, die
Zeit „richtig“ zu nutzen, dass ich gar nicht mehr bemerke, was mir mein
Bauchgefühl sagt und, was dieser Bauch eigentlich gerade möchte. Und dann kommt
die Angst, irgendwann einmal völlig fertig und als Eremit zu Hause zu hocken,
weil ich mich einfach nicht mehr entscheiden konnte, was ich machen soll oder,
was ich nicht machen soll (neeeein, ich steiger mich da gar nicht rein….!)
Und schließlich nervt es mich selber dann so doll, dass es
mich nervt, dass es nun mal solche Tage gibt und ich eben so bin, dass das ein Kreislauf ist, wo sich die
Katze da nun mal in den Schwanz beißt.

Im aktuellen Ferienbuch der Flow beschäftigt sich ein ganzer
Artikel damit, dass wir andauernd mit so vielen tausend Dingen beschäftigt
sind, dass wir es anscheinend vergessen oder sogar verlernt haben, die Zeit
einfach mal zu vertrödeln. Stattdessen würden wir immer etwas erledigen müssen,
es gäbe so vieles am Tag zu tun  – oder
wir erlegen uns selbst diese Dinge auf – dass wir am Ende uns selbst nur hechelnd
hinterher laufen könnten.
Langeweile hingegen könnte Raum zum Nachdenken über Neues
geben, dann, wenn man auch stark genug ist, diesen Raum nicht sofort wieder mit
neuen Impulsen auszufüllen.
Puh, doch ganz schön schwierig, oder?

Kennt ihr diesen, ich nenn ihn mal Freizeit-Druck, auch? Dieses „ich muss die Zeit
jetzt nutzen, weil ich sonst keine Zeit mehr dazu habe“? Oder, wie schafft ihr es dem Raum des Nichtstuns auch eine Daseinsberechtigung zu geben?
In diesem Sinne – Shanti, Shanti, Friede, Friede ;)!

By Vanessa, Juli 8, 2014
  • 8
8 Comments
  • heimatPOTTential
    Juli 8, 2014

    So ging es mir die letzten Jahre ständig. Ein Sonnenuntergang? Ich muss raus! Ein tolles Event? Ich muss hin! Eine Freundin hat Zeit? Ich muss mich treffen!

    Das hat erst vor ein paar Monaten aufgehört seit ich in einer neuen Beziehung stecke. Jetzt kann ich wieder großartig auf dem Sofa versacken, Serien gucken, rumdösen. Manchmal denke ich, dass ich meine Zeit "verschwende", aber dann denke ich: "Boah, nee! Das tut nach den letzten Jahren richtig gut, mir mal selbst nicht so einen Druck zu machen!". Aber trotzdem denke ich: "Das muss sich wieder ändern. Irgendwann." 😉

    • Vanessa
      Juli 9, 2014

      Ja, am Anfang einer Beziehung isses natürlich auch schön, einfach die Zeit zu zweit zu genießen (nicht, dass ich das jetzt nicht auch noch tue…;)

  • Zauberhaft Wohnen
    Juli 8, 2014

    Ich habe offensichtlich ein ausgeprägtes Faulheisgen 🙂 Ich kann großartig einen ganzen Tag am Wochenende vertrödeln. Manchmal zwickt mich zwar ein wenig mein Gewissen aber pffffff… hach grad gemütlich, der Film/die Serie grad so gut.. oder das Buch. Ich bin ziemlich froh, das ich einen Balkon habe, denn dann komme ich wenigstens an die frische Luft, gg. Nein, so schlimm ist es nicht. Aber ich kann das tatsächlich gut. Genauso gerne mag ich aber Tage, an denen ich von morgens bis Abends unterwegs bin. Wobei die echt selten geworden sind. Weil ich oft einfach zu platt von der Woche und froh bin, mal nicht rumdüsen zu müssen…
    Es hält sich also die Waage!

    • Vanessa
      Juli 9, 2014

      In der Woche total platt zu sein, kenn ich genaus so. Und das macht es eigentlich noch schlimmer, weil ich am Wochenende oft denke, dass ich innerhalb der Woche eben neben der Arbeit nix dolles mehr machen kann und deshalb unbedingt das Wochenende ausgefüllt werden müsste…Manchmal glaube ich schon, dass ein Tag in der Woche weniger arbeiten auch nicht schlecht wäre (mal unabhängig vom Geld), damit sich das Wochenende nicht immer so "gezwungen" anfühlt…Aber erstmal werde ich versuchen meinen Kopf einfach mal zwischendurch wieder auszuknipsen;)

  • Fräuleins wunderbare Welt
    Juli 8, 2014

    Jau, du schreibst mir aus der Seele. Natürlich, klar, hallo? Ich könnte etwas verpassen! Oder: ich könnte faul und unproduktiv sein! Oh Hilfe! Letzten Sonntag war es soweit: ich hab gechillt! Achtung! Was für viele andere völlig normal ist, ist für mich etwas ganz besonderes. Und es fiel mir auch echt schwer, aber ich habs durchgezogen 🙂 Schließlich übe ich mich aber auch bereits seit Anfang Juni fleißig im Entschleunigen. Klappt ma mehr, ma weniger gut…
    Ich wünsch dir viel Erfolg beim runterkommen und Zeit genießen beim Nix-Tun!
    Liebe Grüße,
    Frauke

    • Vanessa
      Juli 9, 2014

      Hehe…ja, genauso geht es mir eben auch. Und das Erschreckenste ist, dass ich meiner Mutter ständig vorhalte, sie solle doch mal zur Ruhe kommen und sich hinsetzen…und selber dreh ich dann auf und schaffe auf einmal den Stillstand nicht mehr. Schrecklich!:)
      Hast du denn noch ein paar Entschleunigungstipps;)?

  • Christina
    Juli 9, 2014

    Ins Schwarze (wie bei Vielen, da bin ich sicher)! Bei uns hat sich dieses Problem verschärft, als wir vor knapp zwei Jahren ein Haus gekauft haben. Es ist schon älter und wir wollen noch einiges verändern und es tun sich dazu auch noch immer neue Baustellen auf. Da ist dieses Gefühl fast Dauerzustand und das ist Mist. So allmählich tröpfelt das in unser Bewusstsein und sorgt hier und da für Erfolge, aber der Weg ist noch lang. Vielen Dank für den Input 🙂

    Liebe Grüße, Christina

  • Sandra von 3-ZKB
    Juli 9, 2014

    Liebe Vanessa, ja es ist echt schwer, einfach mal gar nichts zu machen. Mir gelingt das noch am besten bei Sonnenschein – dann einfach mal mit der Decke auf eine Wiese legen und Löcher in die Luft gucken. Oder auf dem Balkon mit einem Milchkaffee ab in den Liegestuhl und die Hummeln in den Blumen bewundern. Ansonsten geht die eifrige Hektik manchmal so weit, dass ich schlechte Laune bekomme, wenn Oliver mich Abends fragt, ob wir zusammen einen Film ausleihen wollen und ich dann schnauze "Ich muss eben erst noch Wäsche machen und den Flur putzen, sonst hab ich ja heute gar nichts geschafft." Schlimm ist das, ganz schlimm. Diese Woche gehe ich deshalb dreimal zum Yoga. 😉

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ÜBER VANESSA
Vanessa, nordisches Mädchen, beheimatet am Niederrhein. Jung genug, um an Einhörner zu glauben, alt genug, um dem Leben unerschrocken gegenüber zu stehen.
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  • Long time no Spencer Selfie! Der alte Streuner ist gerade viel unterwegs und kommt nicht jede Nacht nach Hause...dazu hauen ihn die Gräser und Pollen gerade genau so wie mich um. Kennt jemand von euch vielleicht eine homöopathische Möglichkeit, damit mein haariger Mitbewohner nicht so leiden muss? Vielleicht auch was, wodurch er etwas freundlicher wird 😝? #catcontent #spencerthecat #instacats #redcatsareawesome #crazycatlady
  • Guten Morgen ihr Lieben💕Dieses Jahr bin ich auf so krass vielen Hochzeiten eingeladen und ich freue mich total darauf, zu sehen wie Freunde vor ihren Liebsten ihre Liebe aussprechen und ihre Zuneigung zueinander feiern 💕 Und ich gestehe euch zwei Dinge: 1. Ich heule auf Hochzeiten immer, IMMER 2. Ich möchte auch irgendwann heiraten, unbedingt🙈 #vanessaskleiderschrank #somanyweddings #somanydresses #likeaprincess #weddingoutfit #weddingdress
  • Einer dieser Sommernächte 💕
  • Nach Hause kommen, Sonne scheint, Frise sitzt (dank der Lieblingsarbeitskollegin), Laune ist top💕
  • Leftovers 💕 Ich bekämpfe den Mini-Sonntags-Abschiedsschmerz mit Meeresfrüchten-Spaghetti, Weißwein und dem Tatort auf meinem neuen Fernseher...nach zwanzig Jahren Röhrenfernseher bin ich noch etwas überfordert aber doch zufrieden...ey und der kann sogar Radiosender abspielen😱 #longdistancerelationship #sundaygoodbyes #foodlove #foodie
  • Guten Morgen💕 Wie geil ist es bitte, wenn du ne alte Levi's von deiner Schwester tragen kannst, die sie selbst schon in den 80ern anhatte😁 Ich wünsche euch einen schönen Start in den Tag! #happyvanessaday #ootd #levis501 #secondhand

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